So erkennst du Kieselalgen

Kieselalgen (Diatomeen) bilden einen feinen, gleichmäßigen Belag in der Farbe milchkaffee bis rostbraun. Du findest ihn flächig auf Glas, auf Pflanzenblättern, auf Hardscape, vor allem in den ersten zwei bis sechs Wochen nach Aquarienstart. Der Belag ist weich, lässt sich mit dem Finger oder einem weichen Schwamm sofort wegwischen, ohne harte Punkte zu hinterlassen. Im Wasser entsteht beim Wischen eine bräunliche Wolke. Auf Blättern ist der Belag dünn und lässt das Grün der Pflanze noch durchscheinen. Anders als Grünstaubalgen ist die Färbung eindeutig braun, nicht grün, und anders als Schmieralgen riecht der Belag neutral, nicht muffig. Auf Fotos erkennst du Kieselalgen an der gleichmäßigen Verteilung und dem weichen, fast pudrigen Eindruck der Oberfläche.

Warum sie in der Einlaufphase kommen

Frische Aquarien enthalten in den ersten Wochen viel gelöstes Silikat, das aus dem Leitungswasser, aus dem Bodengrund und aus neuen Hardscape-Teilen stammt. Kieselalgen nutzen Silikat als Baustoff für ihre Zellwände und sind die ersten Organismen, die schnell freie Oberflächen besiedeln. Solange höhere Pflanzen noch nicht eingewachsen sind und das mikrobielle Gleichgewicht im Filter noch fehlt, haben Kieselalgen freie Bahn. Zusätzlich fördert wenig Licht oder schwankendes Licht ihr Wachstum, weil sie auch unter trüben Bedingungen photosynthetisieren können. In gut eingelaufenen Becken sind sie selten, weil das Silikat verbraucht oder gebunden ist und die Konkurrenz durch andere Algen und Pflanzen zu groß wird.

Sofortmaßnahmen

Im Akutfall reicht mechanisches Entfernen. Glasscheibe mit Klingenreiniger oder Schwamm einmal komplett abziehen, Blätter mit weichem Tuch oder im Wasser mit den Fingern sanft streifen. Hardscape lässt sich kurz aus dem Becken nehmen und unter fließendem Wasser abspülen, ohne Bürste. Wasserwechsel von 30 bis 50 Prozent helfen, Silikat aus dem Wasser zu reduzieren und gleichzeitig Nährstoffe stabil zu halten. Wer es schneller will, setzt drei bis fünf Otocinclus oder Nerite pro 60 Liter ein, sobald das Becken vier Wochen läuft. Diese fressen Kieselalgen aktiv. Chemie ist hier nicht nötig, H2O2 wirkt zwar, ist aber für ein Symptom, das sich von selbst löst, oversized. Geduld ist die wirksamste Maßnahme.

Wie lange dauert die Phase

Typisch sind zwei bis sechs Wochen, in denen Kieselalgen sichtbar sind. Manche Becken überspringen die Phase fast komplett, andere ziehen sie auf acht Wochen, vor allem bei sehr silikatreichem Leitungswasser oder bei wenig bepflanzten Setups. Wer Pflanzen dicht einsetzt und Schnellwachser wie Hornkraut, Wasserpest oder Vallisnerien als Starter nutzt, sieht die Phase deutlich verkürzt, weil diese Pflanzen Nährstoffe schnell aufnehmen und Lichtkonkurrenz aufbauen. Auch ein gut eingefahrener Filter mit Filtermaterial aus einem anderen Aquarium beschleunigt das Abklingen. Wenn nach acht Wochen immer noch deutliche Kieselalgen sichtbar sind, lohnt sich ein Blick auf Lichtmenge, Düngung und Filterleistung, weil das System dann nicht richtig in die nächste Phase übergeht.

Häufige Verwechslungen

Kieselalgen werden manchmal mit Cyanobakterien verwechselt, weil beide flächig wachsen. Cyano ist aber blaugrün bis schwarz, schmierig zusammenhängend und riecht streng. Kieselalgen sind klar braun, weich und geruchlos. Auch mit Schmieralgen gibt es Verwechslungen, diese sind aber gallertig und zäh, nicht pudrig. Mit Grünstaubalgen besteht keine echte Verwechslungsgefahr, weil die Farbe eindeutig anders ist. Wer einen Belag auf der Scheibe sieht und sich nicht sicher ist, wischt mit einem Finger drüber: leichter brauner Schmierer ohne Geruch sind Kieselalgen, grüner Belag ist GDA, schwarzer Geruch ist Cyano. Diese drei Tests reichen für die Einlaufphase fast immer.

Vorbeugung beim nächsten Setup

Wer den nächsten Scape startet, kann die Kieselalgen-Phase verkürzen. Filtermaterial aus einem eingefahrenen Becken mitnehmen, schnellwachsende Pflanzen dicht einsetzen, von Tag eins an düngen statt drei Wochen zu warten, Licht in der ersten Woche auf 6 Stunden begrenzen, zweite Woche auf 7, dritte auf 8. Wasserwechsel täglich oder jeden zweiten Tag in der ersten Woche, danach zweimal pro Woche bis Woche vier. Silikatarmes Wasser ist nicht zwingend nötig, aber wer Osmosewasser anteilig nutzt, reduziert die Silikat-Belastung deutlich. Sobald die Pflanzen Wurzeln schlagen und neue Triebe zeigen, ist das System auf dem Weg in die stabile Phase und Kieselalgen verschwinden meist innerhalb von zwei Wochen von selbst.