Die Idee des Unterwasserwaldes
Ein Forest-Aquascape lebt von der Vertikalitaet. Statt einer flachen Hardscape-Landschaft willst du Hoehe erzeugen. Senkrecht stehende Wurzeln werden zu Baumstaemmen, ihre Aestchen zu Zweigen. Mit Moos im oberen Drittel entsteht die Laubkrone, niedrige Pflanzen werden zur Waldboden-Vegetation. Wichtig: Es muss nach Wald aussehen, nicht nach Wurzelhaufen. Der Forest Style funktioniert nur, wenn der Betrachter den Wald sofort erkennt. Halbe Hoehen oder zu wenige Baumstaemme zerstoeren die Illusion. Ein Forest, der wie Forest aussieht, ist kompromisslos vertikal. Forest-Aquascapes werden oft mit dem Begriff Bonsai-Aquascape verwechselt. Bonsai ist eine spezielle Form, bei der einzelne stark stilisierte Mini-Baeume gestaltet werden. Forest ist breiter, oft mit dichten Baumgruppen und naturalistischeren Anmutung. Beide Formen koennen kombiniert werden.
Wurzelauswahl
Geeignet sind verzweigte Wurzeln mit klarer Stamm-Aststruktur. Spider Wood oder Manzanita sind beliebt, weil sie filigran verzweigen. Du brauchst pro Baum eine Hauptwurzel und mehrere Aeste in den oberen Bereichen. Drei bis fuenf Baeume sind ein guter Wald in einem 90er. Mehr wirkt ueberladen, weniger wirkt wie ein einsamer Hain.
Hoehe und Verankerung
Wurzeln, die senkrecht stehen sollen, sind ein Stabilitaetsproblem. Schraube oder verklebe die Wurzeln auf eine Lava-Stein-Platte oder schwere Schiefer. Setze die Platte unter den Bodengrund, die Wurzel sitzt dann optisch im Soil. Alternativ kannst du Wurzeln direkt am Beckenboden mit Cyanoacrylat-Kleber an Steine fixieren. Wichtig: erst Hardscape ausrichten, dann Boden auffuellen. Eine Alternative zur Stein-Platte ist ein Holz-Skelett aus duennem Edelstahldraht, an dem du die Wurzeln festschraubst. Das gibt enorme Stabilitaet, sogar fuer ueberhaengende Aeste.
Moose als Laub
Die Baumkronen entstehen aus Moos. Klassiker sind Christmas Moss, Weeping Moss und Flame Moss. Christmas Moss wirkt voll und weich, Weeping Moss faellt nach unten wie Trauerweidenlaub, Flame Moss waechst dicht und senkrecht. Binde das Moos mit Angelschnur an die Aeste oder klebe es punktuell mit Cyanoacrylat. Nach wenigen Wochen waechst es fest. Christmas Moss waechst etwa 1 bis 2 cm pro Monat unter guten Bedingungen. Es braucht CO2, Duengung und Licht von etwa 30 PAR auf der Pflanzhoehe. Bei zu starkem Licht wird es braun, bei zu wenig Licht waechst es schuetter. Mittlere Lichtstaerke ist ideal.
Waldboden-Bepflanzung
Auf dem Boden braucht es eine niedrige, dichte Decke. Hemianthus callitrichoides Cuba wirkt wie Moos, Marsilea hirsuta wie kleines Kleeblatt-Laub. Setze Anubias nana petite und Bucephalandra in die unteren Wurzelbereiche, sie wirken wie Pilze und Unterholzpflanzen. Vermeide hohe Stengelpflanzen im Forest, sie zerstoeren die Wald-Illusion. Lass dem Waldboden Zeit. Erst nach Wochen bekommt er die patinaeartige Wirkung mit Mulm, kleinen Pilzkulturen und Mikroleben, die einen echten Wald-Charakter ausmacht. Wer zu frueh Tiere einsetzt, zerstoert dieses Mikroleben.
Licht und Atmosphaere
Ein Forest-Aquascape gewinnt durch Licht-Schatten-Kontraste. Setze die Leuchte so, dass Lichtkegel durch die Aestchen fallen und Schatten auf den Waldboden werfen. Eine leichte Truebung durch Huminstoffe aus den Wurzeln passt zum Stil, klares Wasser ist aber genauso moeglich. Eine warme Lichtfarbe um 6000 Kelvin wirkt sonniger und waldiger als kuehles Weiss. Lichtfuehrung im Forest ist anspruchsvoll. Manche Aquascaper installieren zwei Lichtquellen, eine direkt von oben und eine schraeg. So entstehen die Lichtschneisen durch die Aestchen, die einen echten Wald-Charakter ausmachen. Eine einzelne Leuchte gibt nur flaches Licht.